[Rezension] Ich würde dich so gerne küssen

Vorne hui, hinten Pfui





Autor: Patrycja Spychalski
Erscheinungsjahr: 2012
Verlag: cbt
ISBN 978-3570307809
272 Seiten

Klappentext:

In der Nacht zu ihrem 17. Geburtstag lernt die eigenwillige Frieda jemanden kennen, den sie einfach nicht vergessen kann: Jeffer, einen gut aussehenden, rebellischen Jungen und – wenn sie den warnenden Stimmen glauben soll – Herzensbrecher. Als ihre Eltern verreisen, schlägt Frieda all die wohlmeinenden, vernünftigen Ratschläge in den Wind und zieht kurzerhand bei Jeffer ein. Gemeinsam feiern sie, hören Musik, reden bis tief in die Nacht – nicht mehr. Beide spüren, dass sie etwas wirklich Besonderes verbindet, doch genau das macht ihnen Angst, zumal Frieda nicht versteht, was dieser ungewöhnliche Junge an ihr findet. Schließlich ist es genau ein Kuss, der alles verändert …


Meine Meinung:

Dieses war mein erstes Buch von der Autorin. Ich hatte zwar ein bisschen was anderes erwartet, konnte mich aber doch schnell an die eher ungewöhnliche Schreibweise gewöhnen.
Genauso wie an die Dinge, die passierten. Dass man bei der Flucht vor einer Menschenmenge über eine Mauer klettert und im Garten einer türkischen Familie landet, bei der man spontan mitgrillt. Oder dass sich eine wildfremde Frau neben einen setzt und fragt, ob sie einen Schluck von meiner Limo haben darf.
Frieda, die ihr Leben bisher als langweilig empfand, lernt Jeffer an ihrem 17. Geburtstag kennen. Sie ist fasziniert von seiner Spontanität und seiner Art, die Dinge locker anzugehen. Die beiden merken, dass sie etwas verbindet und sie verbringen viel Zeit miteinander. Als Friedas Eltern verreisen, freut sie sich natürlich tierisch darüber und Jeffer schlägt vor, dass sie währenddessen bei ihm einzieht. Um Jeffers Lebensstil vollkommen mitmachen zu können, entschließt Frieda, die drei Wochen nicht zur Schule zu gehen.
Ich kann nicht sagen, dass Frieda mir unsympathisch war. Die Autorin hat mir auch einige Details gegeben, mit denen ich mich gut mit der Protagonistin hätte identifizieren können. Aber irgendwie blieb Frieda auf Distanz. Das mag daran liegen, dass ich ihre Person manchmal als unstet empfunden habe. In einem Moment wollte sie mir weismachen, dass sie ein Mauerblümchen ist, aber im nächsten Moment hat sie wieder Dinge gesagt, die mir das Gegenteil weismachen wollten. Überhaupt hat sie viele Dinge gesagt (meist zu Jeffer), die mich überrascht haben und die Frieda dann doch wieder tough und selbstbewusst erschienen ließen. Das passte für mich irgendwie nicht zusammen. Trotzdem mochte ich sie, keine Frage. Ich fand sie nur manchmal ein bisschen undurchschaubar.
An dieser Stelle muss ich sagen, dass ich die Situation ein bisschen unrealistisch fand. Zum Beispiel, dass Frieda drei Wochen lang nicht zur Schule geht. Oder wie sie ihrer Freundin Maja in der Zeit vor den Kopf stößt.
Ich persönlich fand es jetzt nicht so schlimm. Aber wenn ich sehe, dass die Altersempfehlung des Verlags bei 13 Jahren liegt, muss ich doch noch mal den moralischen Zeigefinger erheben. Ich als 19-jähriges Mädchen kann die Situation, in der Frieda ist, einschätzen. Aber wenn das jetzt so junge Mädchen lesen und Friedas Lebensstil und das Gefühl von Freiheit so toll finden, könnte das zu falschen Vorstellungen vom Leben führen. Zum Beispiel raucht Frieda extrem viel in dem Buch und das ist ein Teil ihrer Freiheit. Ich muss zugeben, dass das sogar mir immer wieder Lust gemacht hat, zu rauchen, obwohl ich weiß, dass dieses Freiheitsgefühl, das Frieda damit verbindet, natürlich mit dem echten Leben nichts zu tun hat. Ein 13-jähriges Mädchen, das nie geraucht hat, weiß das aber nicht… Außerdem kann Frieda nach diesen drei Wochen ohne Probleme in ihr altes Leben zurückkehren. Ihre Eltern sind nicht wirklich sauer und nicht mal ihre Freundin trägt ihr das schlechte Verhalten nach. Auch das könnte falsche Eindrücke bei Jugendlichen erwecken.
Okay, jetzt senke ich den moralischen Zeigfinger mal wieder. Mir persönlich hat Friedas Geschichte sehr gefallen. Sie hat mir ein Gefühl von Freiheit und Lebenslust vermittelt. Friedas Leben war bisher eher durchschnittlich und langweilig. Sie hat nie etwas Verrücktes gemacht. Jeffer zeigt ihr eine andere Seite des Lebens, die des in den Tag Hineinlebens, die voller Spontanität und Musik ist. Mit ihm erlebt sie ein Abenteuer nach dem nächsten.
Der Klappentext erzählt ja mal irgendwie voll den Quatsch. Schließlich ist es genau ein Kuss, der alles verändert? Bullshit. Die küssen sich zwar, aber das ändert nicht wirklich irgendwas. Diese Sache zwischen Frieda und Jeffer zu erklären, ist zu viel verlangt. Das können ja nicht mal die beiden selbst und so hat es die Autorin auch sicherlich gewollt. Deshalb verleitet der Klappentext hier zu völlig falschen Annahmen.
Das Ende jedoch hat mir alles kaputt gemacht. Ich war drauf und dran, dem Buch 6 Herzen zu geben, aber nein. Das Ende hat es wirklich zerstört. Mag sein, dass es daran liegt, dass ich langweilig bin und mein Happy End brauche. Aber so ist es nun mal. Ich kann mit Friedas Verhalten am Ende und wie sie alles hinnimmt einfach absolut und überhaupt nicht leben. Es hat mich richtig sauer gemacht. Ich will euch jetzt natürlich nicht zu viel verraten, aber das Ende war halt echt grausig. 

Fazit:

Echt, einfach nur schade. Wenn ich jetzt über das ganze Buch nachdenke, kann ich es einfach nicht mehr schön finden. Es war wirklich nicht schlecht. Nur dieses Ende. Das lässt alles so sinnlos erscheinen. Ich kann es nicht anders sagen: Es hat einfach das ganze Buch zerstört. Damit hat die Autorin sich selbst ins Knie geschossen, auch wenn sie vielleicht versucht hat, es realistisch zu machen. Ich würde es euch wirklich gerne weiterempfehlen, denn die Geschichte an sich war ja gut! Aber das kann ich einfach nicht. Nicht mit dem Ende. Grr. 

                                                     3 / 6 Herzen

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